Stresa, bevor der Tag beginnt 5 Bilder
Kultur · Stresa

Stresa, bevor der Tag beginnt

Stresa früh am Morgen: leere Gassen, ein Espresso abseits der Hauptplätze, dann der Lungolago mit Blick auf Isola Bella und Isola dei Pescatori.

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Stresa hat zwei Gesichter. Das eine kennt jeder: volle Fährstege, Reisegruppen vor dem Palazzo Borromeo, Kameras auf die Inseln gerichtet. Das andere zeigt sich nur kurz, am frühen Morgen, bevor der Tag seinen eigentlichen Betrieb aufnimmt. In den Gassen der Altstadt ist dann wenig los. Einzelne Lieferanten, geschlossene Läden, das Klappern von Tassen aus den ersten geöffneten Bars. Wer sich eine Bar etwas abseits der Piazza Cadorna sucht, sitzt für einen Moment in einem Stresa, das sich beinahe wie ein kleines Städtchen ohne Besucheranspruch anfühlt. Dabei ist die Geschichte des Ortes alles andere als bescheiden: Erst mit dem Simplon-Eisenbahntunnel 1906 wurde Stresa zum internationalen Reiseziel, danach hielt der Orient-Express hier, und das Grand Hôtel des Îles Borromées, seit 1863 am Ufer, empfing Gäste aus ganz Europa. Ernest Hemingway logierte dort und ließ Teile seines Romans im Hotel spielen. Nach dem Espresso geht es Richtung Lungolago. Die zwei Kilometer lange Promenade liegt dann noch ruhig da, die Fähren haben kaum abgelegt. Zwischen den Baumreihen und den Belle-Époque-Fassaden der Grand Hotels erscheinen Isola Bella und Isola dei Pescatori im Morgenlicht. Isola Bella liegt nur rund 400 Meter vom Ufer entfernt, seit 1632 trägt sie den Barockpalast der Familie Borromeo, und noch heute laufen weiße Pfauen zwischen den Gartenterrassen. Dieses Stresa, das stille vor dem lauten, lässt sich nicht buchen. Es ist einfach früh da.
Ort
Lungolago Stresa, Stresa
Zeit
morgens, vor 9 Uhr
Hinweis
Stresa ist das ganze Jahr zugänglich. Wer die Stille sucht, kommt am besten früh am Morgen, bevor die Fähren zu den Borromäischen Inseln ihren Betrieb aufnehmen. Parken ist in der Hochsaison (Juni bis September) rund um die Promenade schwierig; der Bahnhof Stresa liegt fußläufig zur Altstadt und zum Lungolago, Züge fahren stündlich von Verbania und Arona.
Stresa morgens zu erleben lohnt sich nicht trotz des Rummels, sondern genau deshalb: Der Kontrast macht den Eindruck. Wer einmal am Lungolago stand, bevor die ersten Boote ablegen, versteht, warum dieser Ort seit über hundert Jahren Reisende anzieht.

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