Wo eine Via Crucis aus Stuttgart endet 6 Bilder
Kultur · Cannobio

Wo eine Via Crucis aus Stuttgart endet

Drei Bergdörfer hoch über dem See, eine als Nationaldenkmal geschützte Romanik-Kirche und eine Via Crucis, die Stuttgarter Kunststudenten in den 1960ern ausgemalt haben.

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Der erste Halt lohnt sich in Viggiona, dem unteren der drei Dörfer. Vom Ortskern führt ein kurzer Weg am Friedhof entlang zur Chiesa Vecchia di San Maurizio, einer spätromanischen Kirche, die 1908 zum Nationaldenkmal erklärt wurde. Was den Weg dorthin besonders macht: Die 14 Stationen der Via Crucis, deren Pilonen im 18. Jahrhundert errichtet wurden, erhielten ihre heutigen Bilder 1967 von Professor Rudolf Yelin und Studierenden der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Schwäbische Handschrift an einem piemontesischen Bergpfad. Das Dorf selbst trägt eine weitere Besonderheit: Die Pfarrkirche von Trarego, dem oberen Ortsteil, besitzt ein Taufbecken aus rosa Marmor von Candoglia, demselben Stein, aus dem der Mailänder Dom gebaut wurde. Außerdem hielt die Pfarrei von Trarego bis weit ins 20. Jahrhundert am ambrosianischen Ritus fest, dem alten Mailänder Kirchenritus, der in dieser Region sonst kaum noch zu finden ist. Von Trarego aus öffnet sich der Blick über den See und die Berge bis in die Schweiz. Rund um die Dörfer sind noch die alten Ronchi sichtbar, terrassierte Hänge, auf denen früher Weinreben wuchsen und im Winter das Vieh weidete. Wer weitergeht, findet Steinhöfe auf Lichtungen und, etwas weiter oben, Reste der Linea Cadorna, eines Befestigungssystems aus dem Ersten Weltkrieg. Die Gemeinde liegt abseits der Seepromenade und ist genau das: ein Ort, der nicht für Besichtigungsprogramme gemacht ist, sondern für das langsame Gehen durch alte Gassen, unter alten Kastanien, mit dem See weit unten.
Ort
Cannobio
Zeit
ganzjährig zugänglich
Hinweis
Trarego Viggiona liegt oberhalb von Cannero Riviera und ist über eine kurvenreiche Bergstraße erreichbar. Parkplätze sind in den Dörfern begrenzt. Das Tourismusbüro in Trarego ist nur von Juni bis September geöffnet. Für Wanderungen in die Umgebung empfiehlt sich festes Schuhwerk. Die alte Mulattiera verbindet Viggiona zu Fuß mit Cannobio.
Wer den Lago Maggiore kennt und trotzdem noch etwas entdecken will, fährt hier hinauf. Die Kombination aus romanischer Kirchenkunst, einem unerwarteten Stuttgarter Kunststudenten-Erbe und dem Blick über den See macht den Ausflug zu mehr als einer Bergdorf-Runde.

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